Gastbeitrag - Axel Mitterer - Fotocredit - pixelio.de - Kurt Michel - Ulla Trampert

„Brüll Trainer“ – Coaching wie es nicht sein sollte, aber alltäglich ist.

„Brüll Trainer“ – Coaching wie es nicht sein sollte, aber alltäglich ist.
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Nachdem mein letzter Beitrag – Coaching und Coaching im Kinderfußball – lasst die Kinder wieder Kinder sein! – ein unerwartet hohes Interesse (> 1.300 Likes / > 6.200 Besucher) geweckt hat, habe ich mich dazu entschlossen mehr darüber zu berichten. Ich bat meinen Kollegen und Sportmentaltrainer Dr. Axel Mitterer, dem es selbst ein äußerst großes Anliegen ist auf diese Missstände hinzuweisen, um ein kurzes Statement aus seiner Sicht.

Brüll Trainer – Ein Gastbeitrag von Dr. Axel Mitterer

Ein Thema, das mich, vor allem im Fußball, immer wieder beschäftigt, ist das „optimale Coaching der Sportler im Training und Wettkampf“. Gerade im Fußball beobachte ich seit Jahren, dass 90 % des Coachings aus Schreien besteht. Und beim Schreien werden wieder zu 90 % negative Dinge gebrüllt.

Wer glaubt wirklich, dass ein Sportler, der gerade angeschrien und zusammengestaucht wird, dann eine bessere Leistung bringt? Wer? NIEMAND!!! Er mag zwar ein paar Minuten schneller laufen und aktiver sein, aber dann wird ihn die Angst vor einem Fehler voll erfassen und er wird eine schlechte Leistung bringen.

Erfolgreiche Sportler sind deswegen besser, weil sie Dinge besser machen wie andere: Hirscher ist schneller, weil er einen schnelleren Schwung fährt, Messi ist besser, weil er besser dribbelt, Ronaldo ist besser, weil er besser schießt, Djokovic ist besser, weil er voller fokussiert ist.

Trainer müssen kapieren, dass ein Sportler nur besser wird, wenn man an seinen Stärken arbeitet und ihn viel lobt und positive Anleitungen gibt. Durch dieses, dabei gewonnene, Selbstvertrauen kann dieser Sportler auch gut mit seinen Schwächen umgehen.

Trainer müssen kapieren, dass es nicht um ihre eigenen Befindlichkeiten geht, sondern dass sie sich so verhalten sollen/können/müssen/dürfen, wie es dem Sportler nutzt und ihn weiterbringt.

Beispiel Tennis:

Bei einem verschlagenen Smash meines Sportlers ist es wichtig, nicht die Hände über den Kopf zusammen zuschlagen, sondern ihm ein aufmunterndes Kopfnicken zu schicken, er weiß ja selber, dass er einen Fehler gemacht hat. Er braucht in diesem Moment positive Unterstützung, egal wie es mir als Trainer in diesem Moment geht. Ich höre dann oft, super wie emotional der Trainer mitgeht, er ist mit vollem Herzblut dabei, er hat das immer schon so gemacht….. Das ist eine reine Selbstdarstellung von ihm und hat überhaupt nichts mit seinen Sportlern zu tun.

Fußballer erzählen mir immer wieder, dass sie diese Schreierei nicht mehr hören können und auch nicht mehr hinhören, leider auch dann, wenn es wichtig und richtig wäre, den Anweisungen des Trainers zu folgen. Ideal wäre es, ca. alle 8-10 Minuten etwas zu einem Spieler in Ruhe (wenn er in der Nähe der Trainerbank ist) zu sagen. Dann wirkt es.

Thema Halbzeitansprache:

Es ist unglaublich, was Trainer in der Kabine in der Halbzeit kaputt machen können. Halbzeitführung 2:0, Trainer schreit in der Kabine durch die Gegend, ist mit nichts zufrieden, Mannschaft geht geknickt hinaus…. Ergebnis….

Wer unter der Woche zu wenig (positiv) coacht, hat am Spieltag viel zu tun…..

Welcher Trainer schafft es, seine Spieler bei vielen Trainings zu begeistern? Wie oft lobe ich meine Sportler? Diese Quote sollte mindestens 80% meiner Ansagen betragen.

Fragen, die sich jeder Trainer stellen sollte:

  • Kommen meine Spieler mit einem Lächeln zum Spiel/Training?
  • Wie oft lächeln sie im Training?
  • Wie oft lächle ich?
  • Gehen sie mit einem Lächeln?

Auch nach Niederlagen und einer professionellen Bearbeitung dieser Niederlage ist ein Lächeln möglich.

Wir müssen weg vom Ergebnisorientertem Denken im Nachwuchsfußball!!! Sicher schrecken viele Niederlagen, aber es liegt am Trainer, wie man damit umgeht. Leistungsdenken gut und schön, aber unsere Aufgabe als Nachwuchstrainer ist es hauptsächlich, keine „Leichen“ zurückzulassen. Es bringt nichts, 2 Super Fußballer herauszubringen und viele „Leichen“ säumen deren Weg.

Unsere Aufgabe ist es, „Menschen“ herauszubringen, Jugendliche dabei zu unterstützen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Mit Schreien, Brüllen, Zusammenstauchen, Niedermachen funktioniert es unter Garantie nicht. Auch der zynische und sarkastische Umgang mancher Trainer mit ihren Schützlingen stört mich sehr. Es mag zwar nett gemeint sein, aber Witze auf Kosten des Jugendlichen kommen nie gut an.

„Wir sollten uns weniger bemühen, den Weg für unsere Kinder vorzubereiten, als unsere Kinder für den Weg“.

In diesem Sinne
Axel