Eindrücke von der ÖFB-Juniorenlizenz

Eindrücke von der ÖFB-Juniorenlizenz
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„Jedes Jahr eine Trainerlizenz absolvieren“ lautete mein Motto als ich 2010 mit meiner Trainertätigkeit startete. Mittlerweile bin ich Inhaber der UEFA-B Lizenz und absolvierte in der Saison 2014/15 auch die ÖFB-Juniorenlizenz. Doch worum geht es bei dieser noch jungen und unbekannten Ausbildung? Genau das werde ich in den nächsten Zeilen näher beleuchten und euch meine Eindrücke vom 2-wöchigen Kurs schildern.

Als ich im Sommer 2014 auf der Suche nach einer weiteren Ausbildung des ÖFB war und die UEFA-A Lizenz, aufgrund meiner fehlenden Praxis als Trainer mit UEFA-B Lizenz, kein Thema war, entschied ich mich für die ÖFB-Juniorenlizenz als nächste Ausbildungsstufe. Ein wesentlicher Punkt, warum ich mich für diese Ausbildung entschied, war auch, dass man mit dieser Lizenz ohne A-Lizenz in die Elite-Junioren Ausbildung einsteigen kann.

Der 2-wöchige Kurs ist in zwei Teile gesplittet und wird vom ÖFB in Zusammenarbeit mit der BSPA durchgeführt. Der erste Teil fand im November 2014 in der Sportschule Lindabrunn statt und im zweiten Teil gastierte man im März in der wohl schönsten Sportschule in Faak am See.

Ausblick auf den Faaker See

Ausblick auf den Faaker See vom Balkon des Zimmers.

Erster Teil der ÖFB-Juniorenlizenz

Die erste Woche in Lindabrunn hatte es ordentlich in sich. Am Montag standen von 14:00 bis 21:15 Uhr die Kurseröffnung, ein Kennenlernturnier sowie eine Spielbeobachtung inkl. anschließender Analyse in Kleingruppen auf dem Programm. Spätestens jetzt wusste jeder, dass dieser Kurs kein Zuckerschlecken wird. Der Dienstag begann um 08:15 Uhr mit dem Thema Sportbiologie welches von Dr. Gerhard Zallinger (Sportwissenschafter des Österreichischen Nationalteams) intensiv bearbeitet wurde. Um 14:00 Uhr ging es mit Spezieller Trainingslehre und anschließender Praxis bei Mag. Thomas Janeschitz (Assistenztrainer des Österreichischen Nationalteams) weiter. Mittwochs startete man mit einem kurzen Theorie-Block ehe es in die 6-stündige Praxiseinheit ging. Der Donnerstag – Pädagogiktag – wurde von Mag. Wolfgang Hartweger und Mag. Norbert Meister geleitet. Es war zwar ein langer Tag voller Theorie, doch man erarbeitete den gesamten Inhalt in Gruppen und daher war es äußerst interessant und kurzweilig. Am Freitag, dem letzten Tag der ersten Kurswoche, stand dann Bewegungslehre bei Mag. Manfred Uhlig und Regelkunde mit Gerhard Gerstenmayer auf dem Programm. Besonders Herr Uhlig hat es mir mit seiner Art zu präsentieren sehr angetan. Er hatte einen guten Schmäh und sorgte somit für viel Aufmerksamkeit bei einem doch relativ trockenem Thema.

Zweiter Teil der ÖFB-Juniorenlizenz

Für den zweiten Teil reisten wir mitte März nach Kärnten, genauer gesagt nach Faak am See. Dieser Teil dauerte zwei Tage länger und war geprägt von vielen Praxiseinheiten, bei denen den Teilnehmern viel abverlangt wurde. Bereits am Anreise Tag stand ein Futsal-Turnier auf dem Programm um wieder in den Kurs zu finden. Auch die weiteren Tage standen ganz im Zeichen der Praxis und man versuchte das vorher erlernte auf dem Platz umzusetzen. Nach jeder Einheit traf man sich in Kleingruppen und gab den Coaches Feedback. Es war äußerst spannend so viele unterschiedliche Meinungen zu seiner Trainingsarbeit zu hören und worauf man besonderen Wert legen sollte. An zwei Abenden musste man den Ausbildern seine Hausaufgabe (Ausbildungskonzept U7-u14) präsentieren und konnte sich deren Feedback zu diesem Konzept holen. Besonders spannend war der vorletzte Tag, dort ging es um Führung und Teambuilding. Wir erhielten einige scheinbar „einfache“ Aufgaben der Ausbilder, welche sich dann teilweise als äußerst schwierig erwiesen, dennoch hatte man viel Spaß bei der Ausführung.

Die Hausaufgabe – Erstelle ein Ausbildungskonzept für Kinder von 7 bis 14 Jahre

Zwischen den beiden Kurswochen hatten wir natürlich nicht frei, sondern hatten eine Hausübung zu meistern. Die Aufgabe war ein detailliertes Ausbildungskonzept für Kinder von 7 bis 14 Jahren auszuarbeiten. Anfangs dachte ich schon, dass dies nicht so schwierig sein wird, da man als Trainer ja schon einiges erlebt und zusammengetragen hat, doch genau das war eigentlich mein größtes Problem. Ich begann mehrmals von Neuem und wusste nicht wirklich wo ich ansetzen sollte. Am Abgabetag, ja ich weiß ziemlich spät, begann ich ein letztes Mal mit dem Konzept. Ich setzte mir die Kopfhörer auf, schaltete gute Musik an und begann zu schreiben. Schon mit dem ersten Satz merkte ich, dass es läuft. Am Ende hatte ich ein rund 50-seitiges Konzept erstellt und konnte es noch rechtzeitig, praktisch um 5 vor 12, um 23:55 Uhr abgeben.

Die Hausaufgabe - Erstelle ein Ausbildungskonzept

Die Hausaufgabe – Erstelle ein Ausbildungskonzept

Der Prüfungstag

Wie bei jeder Ausbildung galt es auch hier eine Prüfung zu absolvieren. Diese fand zwei Wochen nach dem letzten Teil in der Sportschule Lindabrunn in kommissioneller Form statt. Die Prüfungsthemen umfassten Allgemeine und Spezielle Trainingslehre (Janeschitz), Bewegungslehre (Uhlig), Pädagogik (Hartweger) und Sportbiologie (Zallinger) in Prüfungsgesprächen und einem Lehrauftritt. Erfreulich war, dass am Ende dieses Tages jeder bestand und ich konnte mich über einen „Ausgezeichneten Erfolg“ freuen.

Fazit

Der Kurs war für mich eine große Bereicherung. Ich konnte viel Neues lernen, mich mit zahlreichen Trainerkollegen austauschen und möchte keinen der Kurstage missen. Die ÖFB-Juniorenlizenz ist äußerst Empfehlenswert und sollte von jedem engagierten Trainer besucht werden.